"Der Meinungsstreit hat den privaten Bereich erreicht und entzweit sogar enge Freunde. Was ist der Ausweg aus der Krise? Zum Glück gibt es eine Alternative zum Dogmatismus - wenn wir lernen, auf eine neue Art und Weise ins Gespräch zu kommen.
Wird die Pandemie zu einer Belastungsprobe für Freundschaften? Ja, das stimmt, wie die Kommunikationswissenschaftlerin und Mediatorin Dr. Andrea Hartmann-Piraudeau festgestellt hat. Aber sie sagt auch: "Das ist eine gute Sache. Denn wenn wir es richtig machen, können wir aus der Pandemiezeit lernen - in der gesellschaftlichen Debatte wie im persönlichen Bereich - den Streit um die Strategien zur Bewältigung der Corona-Krise zu führen und mit Konflikten umzugehen, die auch in Zukunft aus gegensätzlichen Meinungen über das richtige Vorgehen entstehen werden.
Frau Dr. Hartmann-Piraudeau, manche sprechen bereits von einer sozialen Spaltung als Folge der Pandemie. Nehmen Sie das auch so wahr?
Dr. Andrea Hartmann-Piraudeau: Die Atmosphäre ist angespannt, das stimmt. Man kann beobachten, dass sich Lager bilden. Die beiden Pole sind ungefähr die, wo die einen betonen, dass ihr Handeln auf wissenschaftlichen Fakten beruht, wo sie sagen: Das Virus ist so und so gefährlich und muss so und so eingedämmt werden. Und dann gibt es diejenigen, die es für kurzsichtig halten, sich nur auf das Virus zu beziehen. Sie sehen die Krise als etwas Größeres und kritisieren die derzeitigen Bewältigungsmuster als zu kurzsichtig."
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